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Startseite > Aktionsprogramm Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz > Umsetzung > Die Kindertagesstätten weiterentwickeln

Einführung

Die Unterstützung der Eltern bei der Förderung der sozialen, emotionalen, körperlichen und geistigen Entwicklung ihrer Kinder unter Berücksichtigung deren individueller Bedürfnisse und Interessen sowie ihrer Herkunft ist das erklärte Ziel der Arbeit in Kindertagesstätten. Um dem damit verbundenen qualitativ hohen Anspruch gerecht zu werden und gleichzeitig ein quantitativ bedarfsgerechtes Angebot bereitzuhalten, um Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, führt die Landesregierung ihr Engagement nicht nur konsequent weiter, sondern weitet dies in ihrem ehrgeizigen Programm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" deutlich aus. Dabei findet das Prinzip der Partizipation konsequent Anwendung, d. h. Trägerorganisationen der Kindertagesstätten, Landkreistag, Landeselternvertretung wie auch Arbeitnehmervertretungen werden in die Gestaltung und Umsetzung der qualitativen Weiterentwicklung des Kindertagesstättensystems mit einbezogen. 

Landesprogramm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an"

In Rheinland-Pfalz sollen Kinder mit den bestmöglichen Zukunftschancen heranwachsen. Außerdem soll der demografische Wandel aktiv und erfolgreich zum Wohle der nachwachsenden Generation gestaltet werden. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet das Programm "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an", das Anfang des Jahres 2005 vom Ministerrat beschlossen wurde und das dem hohen Stellenwert von Bildung sowie Kinder- und Familienfreundlichkeit in der Politik der Landesregierung Rechnung trägt. Das Programm beinhaltet folgende fünf Pluspunkte für Kinder und ihre Familien:

  • Mehr Plätze für Kinder unter drei Jahren - das heißt, Kommunen und Träger bei der Umsetzung des Tagesbetreuungsausbaugesetzes (TAG) unterstützen.
    Das Land erhöht die finanzielle Förderung der Krippen (für Träger und Kommune jeweils 5 Prozentpunkte).
  • Kindergartenbesuch ab 2 Jahre eröffnen und den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für zweijährige Kinder ab 2010 für Eltern, die dies wollen, gewährleisten.
    Das Land eröffnet die Möglichkeit, dass Zweijährige in den Kindergarten aufgenommen werden können. Für die notwendige Bereitstellung zusätzlichen Personals übernimmt das Land den Trägeranteil.
  • Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr, damit tatsächlich alle Kinder auf die Einschulung vorbereitet werden. Das Land übernimmt die Kosten von 25 Millionen Euro.
  • Bildungsauftrag der Kindertagesstätten stärken und umfassenden Ausbau der Sprachförderung für alle vorantreiben. Das Land setzt 8 Millionen Euro für die pädagogische Aufwertung des letzten Kindergartenjahres ein. Hierzu soll insbesondere die bisherige Sprachförderung ausgebaut werden, damit jedes Kind in Rheinland-Pfalz, das einer Sprachförderung bedarf, diese erhält.
    Um für Kinder den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ohne Brüche zu gestalten, wurden beide Institutionen zur Zusammenarbeit verpflichtet. Sowohl das geänderte Kindertagesstättengesetz als auch das geänderte Schulgesetz sehen jetzt die Abstimmung des jeweiligen Bildungskonzeptes vor.
  • Frühere Einschulung; ab 2008 sollen alle Kinder, die vor dem 1.9. eines Jahres sechs Jahre alt werden, in diesem Jahr auch die Schule besuchen.

Ergänzt wird dieses Programm zur Stärkung des Bildungsauftrags der Kindertagesstätten durch ein landesweites Fortbildungsprogramm für Erzieherinnen und Erzieher. Zwei Millionen Euro stellt das Land jährlich hierfür zur Verfügung. Das Land, die rheinland-pfälzischen Trägerorganisationen von Kindertagesstätten, die Kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaften und der Landeselternausschuss haben eine gemeinsame Vereinbarung zur Umsetzung eines Curriculums im Rahmen der Landesinitiative zum Erwerb des Zertifikates "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" verabschiedet.
Zudem werden so genannten "Konsultationskitas" eingerichtet. Kindertageseinrichtungen mit vorbildlichen Konzepten sollen für praxisnahe Fortbildungen besucht werden können.

Fazit: Die Landesregierung hat damit ein Gesamtkonzept vorgelegt, das die bisherigen Landesinitiativen ergänzt, Schritt für Schritt aufeinander aufbaut, Kinder optimal fördert, Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung unterstützt und Kommunen und Träger in die Lage versetzt, ihren Beitrag zu einem kinderfreundlichen Rheinland-Pfalz leisten zu können. Das Land stellt hierfür erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung und beachtet strikt die Konnexität. Das Landesgesetz zum Ausbau der frühen Förderung, das am 16.12.2005 vom rheinland-pfälzischen Landtag beschlossen wurde und zum 01.01.2006 in Kraft getreten ist, sichert das Programm "Zukunftschance Kinder -  Bildung von Anfang an" rechtlich ab.  

Sprache - ein Schlüssel zur Welt

Sprache ist für Menschen das zentrale Mittel, Beziehungen zur Umwelt aufzubauen. Eine gelungene Sprachentwicklung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Bildungsentwicklung von Kindern. Sprachförderung wird deshalb von Anfang an als zentrale und dauerhafte Aufgabe von Kindertagesstätten verstanden. Die Landesregierung unterstützt die Träger von Kindertagesstätten bei der Vermittlung und Stärkung der Sprachkompetenzen in der deutschen Sprache, der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, bei der Fremdsprachentwicklung und dem interkulturellen Lernen:

  • 2004 und 2005 konnten in rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten 3.820 Kinder in 417 Gruppen durch gezielte Sprachförderung auf den Übergang in die Grundschule vorbereitet werden. Das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend unterstützte die Maßnahme mit 509.000 Euro. Damit gelang der Ausbau des 2002 gestarteten zusätzlichen Sprachförderprogramms für Kinder im Kindergartenalter ohne hinreichende Deutschkenntnisse, das mit 100.000 Euro pro Jahr begonnen hatte.
  • Im Rahmen des neuen Landesprogramms "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" wird ein Acht-Millionen-Euro-Programm für Schulvorbereitung und Sprachförderung dafür sorgen, dass die Sprachförderung in den Kindertagesstätten flächendeckend ausgebaut werden kann. Gleichzeitig stehen zwei Millionen Euro für Fortbildungsmaßnahmen für Erzieherinnen und Erzieher bereit. Der Bereich Förderung der Sprachkompetenzen stellt dabei einen wichtigen Fortbildungsteil dar.
  • Das Land unterstützt außerdem die Integration von Aussiedlerkindern und Kindern mit Migrationshintergrund über eine erhöhte Personalförderung nach § 2 Abs. 5 Nr. 4 und 5 i. V. m. § 7 Abs. 3 der Landesverordnung (LVO) zum Kindertagesstättengesetz (KitaG), indem es sich im Rahmen verfügbarer Haushaltsmittel mit bis zu 60% der Personalkosten an zusätzlichem Erziehungspersonal in Kindertagesstätten beteiligt. Die Zahl der in Rheinland-Pfalz tätigen Kräfte für die Integration von Aussiedlerkindern und Kindern mit Migrationshintergrund ist weiter gewachsen und beläuft sich derzeit auf 305 Fachkräfte in rund 308 Einrichtungen. Zuletzt wurden für diese Kräfte 2.300.000 Euro im Haushalt bereitgestellt.
  • In einem immer enger zusammenwachsenden Europa ist es bedeutsam, den Grundstein für das Zusammengehörigkeits- und Gemeinsamkeitsgefühl bereits in ganz jungen Jahren zu legen. Kinder sollen möglichst früh eine andere Kultur, Sprache und Lebensform kennen lernen. Deswegen unterstützt die Landesregierung schon lange und intensiv die zweisprachige Erziehung und Bildung im Elementarbereich. An dem erfolgreichen Landesprogramm "Lerne die Sprache des Nachbarn" nehmen nunmehr 135 Kindergärten teil. Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Vermittlung französischer Sprache in Kindergärten, indem es in der Landesverordnung zur Ausführung des Kindertagesstättengesetzes (§ 2 Abs. 5 Nr. 6 in Verbindung mit § 7 Abs. 3) anbietet, im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel bis zu 60 % der Personalkosten zu übernehmen, wenn zur Vermittlung der französischen Sprache eine französische Erziehungskraft als zusätzliche Kraft eingesetzt wird.
  • Informationen zu den Möglichkeiten der Sprachförderung im deutsch-französischen Kindergarten gibt die 2005 veröffentlichte Dokumentation der Arbeit des deutsch-französischen Kindergartens / école maternelle franco-allemande in der französischen Grenzgemeinde Liederschiedt. Gefördert wird der Kindergarten vom Land zusätzlich über eine Modellförderung für die Fachberatung.  

Wahrnehmung des Bildungs- und Erziehungsauftrags

  • Als Orientierungs- und Reflexionsgrundlage für die pädagogische Arbeit in rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten konnten im Jahr 2004 gemeinsam mit den großen Trägerorganisationen, dem Landkreistag sowie dem Landeselternausschuss die "Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz" verabschiedet werden. Die Teams aller ca. 2.400 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz wurden - wie auch die weitere Fachpraxis - in Form eines Rückmeldeverfahrens an der Erarbeitung beteiligt.
  • Damit das einzelne Kind in seiner weiteren Entwicklung gezielt unterstützt, gefördert und gefordert werden kann, sehen die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen vor, dass Erzieherinnen und Erzieher in enger Zusammenarbeit mit den Eltern aber auch mit dem Kind selbst eine Bildungs- und Lerndokumentation für das Kind anlegen. Es geht dabei darum, Bildungsprozesse und Lernfortschritte beim Kind ressourcenorientiert zu dokumentieren und zu reflektieren, um damit eine solide Grundlage für Entscheidungsprozesse für die Förderung des Kindes zu haben. Schon frühzeitig zeichnete sich ab, dass Erzieherinnen und Erzieher Unterstützung beim Thema "Beobachtung und Dokumentation" wünschen. Das Land Rheinland-Pfalz beteiligt sich deshalb seit 2004 an dem Projekt "Lern- und Bildungsgeschichten als Weg zur Konkretisierung und Umsetzung des Bildungsauftrages vor Schulbeginn" des Deutschen Jugendinstitutes, das die Entwicklung von Materialien und Instrumenten zur Dokumentation von Bildungsprozessen in enger Kooperation mit der Praxis zum Ziel hat. In dem Projekt wird mit drei rheinland-pfälzischen Kerneinrichtungen sowie 16 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gearbeitet. Das Projekt wird mit 84.583 Euro (2004-2006) gefördert.
  • Die Umsetzung der "Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz" wird wissenschaftlich begleitet um die Einrichtungen mit der Umsetzung zu unterstützen und um auf sich stellende Herausforderungen auch von Landesseite eingehen zu können. Leitfragen der Studie sind dabei u. a: Wie kommen Veränderungen in den Einrichtungen zustande? Welche Rolle spielen dabei die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen? Welche Unterstützungsangebote benötigen die Einrichtungen in Zukunft? Alle rheinland-pfälzischen Leitungen von Kindertagesstätten wurden in standardisierter Form befragt. Gleichzeitig wurde der Erwartungshorizont der Eltern durch eine telefonisch standardisierte Befragung von 1000 repräsentativ ausgewählten Eltern (Stichprobenziehung) erfasst. Es wurden auch Familien mit Migrationshintergrund in die Befragung einbezogen (Türkische, Russische bzw. Italienische Eltern). Das Projekt wird mit 181.926 Euro gefördert.
  • Für die qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesstätten ist die durch den Träger wahrgenommene Verantwortung maßgeblich. Gestartet wurde 2004 die Implementierungsphase des Projektes zur Trägerqualität im Rahmen der "Nationalen Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder", das vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München durchgeführt wird und an dem sich das Land beteiligt. Nach der Erarbeitung von Materialien und Instrumenten zur Qualitätssicherung und -entwicklung der Arbeit von Trägern werden nun Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet, die Träger in der Anwendung der neu entwickelten Instrumente und Materialien unterstützen können. Die erste Staffel der Schulung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren konnte bereits abgeschlossen werden. Das Projekt zur Implementierung wird mit 80.000 Euro (2004-2006) vom Land gefördert. 

Qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung

Eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Entwicklungs- und Bildungsförderung von Kindern in Kindertagesstätten ist das Angebot einer qualifizierten Aus-, Fort- und Weiterbildung.

  • In den Lehrplan für die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher integriert wurden deshalb die "Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz". Die mit dem Schuljahr 2004/05 gestartete Reform der Ausbildung ermöglicht damit den angehenden Erzieherinnen und Erziehern schon von Anfang an die praxisnahe Umsetzung. Wesentliches Merkmal des neuen Lehrplans ist die Auswahl und Ausrichtung unterrichtlicher Themen und Lerninhalte und der damit verbundenen Kompetenzen nicht mehr ausschließlich an wissenschaftlichen Disziplinen bzw. Teildisziplinen, sondern insbesondere an beruflichen Handlungsfeldern.
  • Neben der Ausweitung der Fachschulangebote wurde an der Fachhochschule Koblenz in Kooperation zwischen dem Fachbereich Betriebs- und Sozialwirtschaft in Remagen und dem Fachbereich Sozialwesen in Koblenz das Modell einer Fachhochschulausbildung für Führungskräfte insbesondere für Leitungspersonal in Tageseinrichtungen für Kinder berufsbegleitend realisiert. Der seit dem Sommersemester 2005 laufende Fernstudiengang "Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit" erhielt bundesweit Anerkennung dadurch, dass er von der Robert-Bosch-Stiftung in dessen Förderprogramm "Profis in Kitas (PiK) - Professionalisierung von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen" aufgenommen wurde.
  • Wie rege die Angebote zur Weiterqualifizierung von Erziehungsfachkräften angenommen werden, machen auch die Daten zur Inanspruchnahme der Freistellungen im Rahmen des Bildungsfreistellungsgesetzes deutlich. Für den letzten Anerkennungszeitraum 2003/2004 waren 844 Veranstaltungen dem Erziehungs- und Sozialbereich zuzuordnen.