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Startseite > Aktionsprogramm Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz > Umsetzung > Eltern bei der Wahrnehmung ihres Erziehungsauftrags unterstützen - gewaltfreie Erziehung fördern

Einführung

Kinder haben ein Recht auf Förderung ihrer Entwicklung sowie auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Sie haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Den Eltern obliegt das Recht und die Pflicht zu einer Erziehung, die diesen Zielen verpflichtet ist. Verantwortliches Leben mit Kindern verlangt mit Blick auf wachsende Anforderungen in der heutigen Gesellschaft an Erziehung und Bildung von Eltern in zunehmendem Maße die gezielte Aneignung entsprechender Kompetenzen. Die staatliche Gemeinschaft hat sie dabei durch Bildungsangebote, Beratung und Hilfen zu unterstützen.

Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Förderung der Kinder in den Familien leistet die Initiativen "VIVA FAMILIA", die durch eine Vielfalt von Qualifizierungsmaßnahmen und von Einzelprojekten ergänzt wurde.

Verbesserung der Rahmenbedingungen durch die Initiative "VIVA FAMILIA"

Die vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Anfang 2005 gestartete Initiative "VIVA FAMILIA" widmet sich der Verbesserung von Rahmenbedingungen für Familien in den Bereichen: Familienkompetenzen stärken, Gesundheit für Kinder und Familien, Arbeit und Ausbildung für junge Menschen, familienbewusste Arbeitswelt, Hilfen für Familien in Notlagen. Beispielhaft sind an dieser Stelle folgende Bausteine zu nennen:

  • Hebammen beraten Familien: In Zusammenarbeit mit dem Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. bietet das Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Hebammen ein spezielles Fortbildungsprogramm an, um ihren sozialpädagogischen Blick zu verstärken und jungen Eltern praktische Informationen und Hilfen bei Alltagsproblemen in der Phase nach der Geburt eines Kindes zu geben. Dazu wurde ein speziell für diese Zielsetzung zugeschnittenes Curriculum erarbeitet. In den Modelljahren 2005 und 2006 werden rund 80 Hebammen berufsbegleitend geschult und Familien breitenwirksam über die Leistungen der Hebammen informiert. Für das Projekt "Hebammen beraten Familien" stehen im Modellzeitraum rund 120.000 Euro zur Verfügung. Ab 2007 sollen die regionalen Schulungen in Kooperation mit dem Hebammen-Landesverband Rheinland-Pfalz und dem Sozialpädagogischen Fortbildungszentrum Rheinland-Pfalz angeboten werden.
  • Netzwerk Familienbildung: Im Projekt "Netzwerk Familienbildung" wollen Familienbildungsstätten als Motor und Impulsgeber für Familienbildung alle familienrelevanten Berufsgruppen und Einrichtungen für den Zusammenschluss in einem "Netzwerk Familienbildung" gewinnen. Diese regionalen Netzwerke eröffnen neue Wege, um Beratungs- und Bildungsangebote alltagsnah an die Orte zu bringen, die ohnehin von Familien aufgesucht werden, beispielsweise Kurse zur Geburtsvorbereitung, Arztpraxen, Kindergärten, Schulen oder Arbeitsstätten. Besonders wichtig für den Erfolg der Arbeit ist zudem die enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Jugendämtern. Unterstützt durch eine wissenschaftliche Begleitung wird dieser Neuorientierungsprozess im Modellzeitraum 2005 und 2006 in drei Familienbildungsstätten in Montabaur, Koblenz und Landau durchgeführt. Die anderen Familienbildungsstätten werden durch ein Fortbildungsangebot zeitnah an diesem Prozess beteiligt. Die einzelnen Schritte beim Aufbau des Netzwerkes werden praxisnah in einem Handbuch mit Arbeitshilfen und Checklisten zusammengefasst und Ende 2006 allen Familienbildungsstätten zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel, regionale Netzwerke für Familienbildung aufzubauen.
  • Elternkursprogramm "Auf den Anfang kommt es an": Im Rahmen der Initiative "VIVA FAMILIA" wurde beim Universitätsklinikum in Ulm die Entwicklung eines Elternkursprogramms "Auf den Anfang kommt es an - Ein Kurs für junge Eltern" in Auftrag gegeben. Es zielt vor allem auf die Stärkung der Erziehungs- und Beziehungskompetenzen in der Phase der Familiengründung und der frühen Elternschaft. Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit fördert in den Jahren 2005 und 2006 bei 100 Kursen die Implementierung des Kursprogramms mit bis zu 750 Euro pro Kurs. Dabei wird Anfang des Jahres 2006 das Elternkursprogramm auf die spezifischen Bedürfnisse von sozial benachteiligten Familien hin weiterentwickelt. Das Elternkursprogramm wird unter verstärkter Einbeziehung von besonders familienfreundlichen Orten - zum Beispiel Geburtskliniken, Kinderärzte - in die Praxis implementiert.
  • "Zu Gast bei Familie....". In der Suchtprävention werden mit dem Ansatz "Zu Gast bei Familie?" neue Wege beschritten. In zwanglosen Gesprächsrunden im privaten Umfeld wird Eltern die Gelegenheit gegeben, unter Anleitung ehrenamtlicher Moderatorinnen und Moderatoren Themen der Suchtprävention zu diskutieren und individuelle Lösungsansätze zu entwickeln. Die Organisation der Gesprächsrunden funktioniert wie ein Schneeballsystem, um möglichst viele Eltern zu erreichen. Bis zum Jahresende werden rund 50 Moderatorinnen und Moderatoren geschult, die regionale Gesprächskreise leiten.
  • "Finanziell fit" stärkt Wirtschaftskompetenz junger Menschen: In Rheinland-Pfalz sind schätzungsweise 120.000 Haushalte überschuldet. Vor allem junge Menschen geraten zunehmend in Überschuldungssituationen. Mit Förderung der norisbank AG Nürnberg hat das Schuldnerfachberatungszentrum das Schulungsprogramm "Finanziell fit" für erwerbslose junge Erwachsene bis 25 Jahren entwickelt. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Arbeitsgemeinschaften (ARGEN), Schuldnerberatungsstellen und weiteren Trägern - wie Familienbildungsstätten -, werden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Kursen ausgebildet, mit dem Ziel, jungen Erwachsenen finanzielle Allgemeinbildung zu vermitteln. Die Umsetzung erfolgt unter anderem bei der Trigon Beratungsgesellschaft für Kommunikation und Wirtschaftstraining in Koblenz sowie der SPAZ GmbH, Mainz. Weitere Präventionsmaßnahmen für junge Familien sind vorgesehen, für die Landesmittel in Höhe von 15.000 Euro bereitgestellt werden.
  • Servicestelle unterstützt beim Aufbau lokaler Bündnisse für Familien: Kinder- und Familienfreundlichkeit braucht ein breites Bündnis aller politisch und gesellschaftlich relevanten Akteurinnen und Akteure. Lokale Bündnisse sollen die Lebensbedingungen für Familien ganz konkret vor Ort verbessern helfen und dazu beitragen, dass Familienfreundlichkeit als gemeinsame Aufgabe wahrgenommen wird. Um möglichst viele lokale Bündnisse in Rheinland-Pfalz zu initiieren und zu unterstützen, wurde im Mai 2005 die "Servicestelle für lokale Bündnisse" bei der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz eröffnet. Die Servicestelle berät und unterstützt praxisnah engagierte Akteurinnen und Akteure vor Ort bei der Gründung lokaler Bündnisse. Bisher haben sich 10 lokale Bündnisse gegründet, 5 weitere sind in Planung. Für die Arbeit der Servicestelle werden in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt 460.000 Euro zur Verfügung gestellt.
  • Erziehungshilfeoffensive: Die vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit eingeleitete Erziehungshilfeoffensive besteht nunmehr seit 12 Jahren und ist ein fester Bestandteil der Unterstützung öffentlicher und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe bei der Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung. Das Land erstattet den Kommunen einen Festbetrag für die Hilfen zur Erziehung. Im Jahr 2005 lag die Kostenbeteiligung des Landes bei 42 Millionen Euro. Darüber hinaus stehen Mittel für Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekte zur Verfügung. Ein Schwerpunkt der Arbeit lag in den Jahren 2004 und 2005 bei der Entwicklung und Umsetzung eines Modellprojekts in zehn Jugendämtern und sechs Heimen zur Stärkung familienaktivierender Ansätze in Tages-Gruppen, als einer besonderen Form der Heimerziehung. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich das Modellprojekt für alle Beteiligten gelohnt hat: Unterbringungszeiten konnten verkürzt, Beteiligungen von Eltern ausgebaut und erfolgreichere Hilfen gesichert werden. Die Übertragung und Weiterentwicklung auf Regelgruppen, die über 90 Prozent des Angebots ausmachen, wird derzeit geprüft.
  • Etablierung von online-Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern: Auf der Grundlage des Beschlusses der Jugendministerkonferenz von Mai 2003 erfolgt eine Förderung der Internetberatung in der Jugendhilfe durch die Länder. An dem zentralen Beratungsprojekt sind Erziehungsberatungsstellen bundesweit beteiligt. Ziel ist es, mit der virtuellen Beratung die Möglichkeit zu schaffen, Erziehungs- und Familienberatung auch für diejenigen jungen Menschen und Eltern anzubieten, für die die bestehenden Erziehungsberatungsstellen schwer erreichbar sind oder bei denen Hemmschwellen bestehen, diese aufzusuchen. Für die Etablierung der online-Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern werden pro Jahr rund 11.000 Euro bereitgestellt. Die online-Beratung soll als Angebot der Erziehungsberatungsstellen breitenwirksam etabliert werden.

Unterstützung durch eine Vielfalt von Qualifizierungsmaßnamen und Einzelprojekten

Zusätzlich werden Eltern auch über von weiteren Ressorts geförderte Einzelprojekte, über Qualifizierungsmaßnahmen und Kooperationsprojekte bei ihren Erziehungsaufgaben unterstützt:

  • Eltern, die sich entscheiden, ihr Kind einer Tagespflegeperson anzuvertrauen, sollen die Gewissheit haben, dass ihr Kind dort gut aufgehoben ist. Aus diesem Grund hat das Land im Juli 2005 innerhalb des Programms "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" ein Förderprogramm zur Unterstützung von Qualifizierungsmaßnahmen für Tagespflegepersonen gestartet. Inhaltlich orientiert es sich an dem vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelten Curriculum zur Fortbildung von Tagespflegepersonen. Mit diesem Angebot unterstützt das Land die Kommunen bei der qualitativen Weiterentwicklung des Angebots in der Kindertagespflege als Ergänzung zur institutionellen Betreuung.
  • Mit Förderung nach dem rheinland-pfälzischen Weiterbildungsgesetz führten die Träger der Weiterbildung im Sachgebiet "Geisteswissenschaften, Eltern- und Familienbildung, Erziehungswissenschaften" im Jahre 2004 3.124 Maßnahmen mit 35.222 Weiterbildungsstunden und 55.526 Teilnehmenden durch.
  • Die Kooperation zwischen Weiterbildungseinrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten wird im Rahmen der vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur geförderten Kursen zur sprachlichen, persönlichen, kulturellen und beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten u. a. dadurch unterstützt, dass Angebote für Erwachsene dort, wo am gleichen Standort Sprachfördermaßnahmen in Kindertagesstätten durchgeführt werden, vorrangig berücksichtigt werden.
  • Zur Unterstützung von Eltern durch niedrigschwellige Beratungsangebote wurde die Zusammenarbeit von Kindertagesstätten und Familienbildungsstätten im Rahmen der Projektförderung durch das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend gefördert. Ein Beispiel ist im Raum Koblenz der Aufbau von Mutter-Kind-Kursen an Kitas.
  • Auf große Resonanz stieß auch das vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesund und vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend geförderte Projekt "Elternschule", das in Trägerschaft der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. in den Städten Mainz und Bad Kreuznach sowie in den Landkreisen Mainz-Bingen und Alzey-Worms durchgeführt wurde. Module dieses Angebots zur Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern waren ein Elterntraining zur Gesundheitsförderung , die Multiplikatorenschulung zur medienpädagogischen Elternarbeit in Kindertagesstätten, thematische Einzelveranstaltungen zu entwicklungspsychologischen Themen, zur Suchtprävention und Sexualerziehung. Dem Projekt, das fortgeführt und übertragen wird, gelang es durch die Einbeziehung von besonders familienzugänglichen Orten auch die Eltern zu erreichen, die sich vom Angebot der etablierten Bildungsstätten und Beratungsstellen nicht angesprochen fühlen.
  • Speziell an den Bedürfnissen von Kindern und Familien in schwierigen Lebenslagen ist das Modellprojekt "Starke Mütter - starke Kinder" des Orts- und Kreisverbandes Mainz des Kinderschutzbundes ausgerichtet. Das 2005 gestartete Projekt zur Förderung von Kindern ab der 7. Lebenswoche richtet sich an Familien, die durch die Benachteiligung durch schlechte Wohnverhältnisse, Arbeitslosigkeit, geringe Bildung und Einkommensarmut belastet sind, an Familien mit multikulturellem Hintergrund, die wenig in den Stadtteil integriert sind sowie an Multiproblemfamilien. Durch ein Hausbesuchsprogramm, Gruppentreffen und Mütterstammtische soll ein Beitrag zur Verbesserung der persönlichen, emotionalen und motivationalen Fertigkeiten der Bezugsperson geleistet sowie zur Überwindung der Isolation und der Schaffung eines selbsttätigen privaten Netzwerkes beigetragen werden. Dabei geht es darum, einen fördernden Umgang mit dem Kind einzuüben.
  • Unterstützt werden vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend auch die Elternkurse "Starke Eltern - Starke Kinder", die in 14 Orts- und Kreisverbänden des Deutschen Kinderschutzbundes in Rheinland-Pfalz angeboten werden. Auch in 2004 konnten 445 Eltern von 380 Kindern ein intensives Training erhalten, das u. a. auch Wege aufzeigte, wie Konfliktsituationen in den Familien gewaltfrei gelöst werden können.
  • Über 1.100 intensive Beratungen verzeichneten die vier Elterntelefone des Kinderschutzbundes in Rheinland-Pfalz, deren Arbeit vom Land gefördert wird. Bei diesem für die Eltern kostenfreien Angebot wie auch bei dem des Kinder- und Jugendtelefons, fördert das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend die Qualifizierung der ehrenamtlichen Telefonberater und Telefonberaterinnen.