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Startseite > Aktionsprogramm Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz > Umsetzung > Initiativen zu Gunsten von Kindern im Medienbereich ergreifen

Einführung

Eine kinderfreundliche Medienpolitik zeichnet sich einerseits durch Initiativen aus, die Kindern die Mediennutzung als Schlüsselqualifikation der Informations- und Wissensgesellschaft nahe bringen, andererseits aber Kinder vor einer beeinträchtigenden Nutzung von Medien und vor schädigenden Medieninhalten schützen. Landesspezifische Maßnahmen basieren dabei auf bundespolitischen Regelungen und knüpfen an Rheinland-Pfalz übergreifenden Initiativen an.

Um eine einheitliche Durchführung des Jugendschutzgesetzes bundesweit zu unterstützen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden folgende Rechtsauffassungen beschlossen:

  • Rechtsauffassung zur jugendschutzrechtlichen Einordnung von Computerräumen mit und ohne Internetzugang in Jugendeinrichtungen oder Schulen, sowie zur Veranstaltung sog. LAN-Parties durch Schulen bzw. Einrichtungen im nicht gewerblichen Bereich,
  • Rechtsauffassung zur jugendschutzrechtlichen Einordnung von gewerblichen Internetcafés.

Darüber hinaus hat die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugendbehörden eine Rechtsauffassung und Praxishinweise zum Versandhandel nach § 1 Abs. 4 Jugendschutzgesetz beschlossen, um darzulegen, wie auch beim Versandhandel die im Jugendschutzgesetz definierten Altersbeschränkungen bei der Abgabe eines entsprechenden Produktes (Filme, Computerspiele) eingehalten werden können.

Jugendschutz

Aus der Tätigkeit der länderübergreifenden Stelle jugendschutz.net, die auch vom Land Rheinland-Pfalz unterstützt wird, sind beispielhaft folgende Projekte zu nennen:

  • Von September bis November 2004 sowie von Mai bis Juli 2005 hat jugendschutz.net zahlreiche Chats untersucht, um herauszufinden, wie gefährlich sie für Kinder und Jugendliche sein können und was Betreiber tun können, um sie sicherer zu gestalten. Über die hierbei gewonnenen Ergebnisse wurde eine pädagogische Handreichung erstellt, die neben einem Chat-Atlas mit ausgewählten Chats auch eine rechtliche Bewertung von Übergriffen im Chat sowie Sicherheitshinweise für Kinder, Jugendliche und Eltern enthält. Die Broschüre ist unter dem Titel "Chatten ohne Risiko? - Zwischen fettem Grinsen und Cybersex" veröffentlicht und steht für den Download auf der Homepage von jugendschutz.net (www.jugendschutz.net) unter der Rubrik Materialien bereit.
  • Im Februar 2005 erschien die vierte Aktualisierung der Broschüre des BMFSFJ "Ein Netz für Kinder - Surfen ohne Risiko". Dieser praktische Leitfaden präsentiert zahlreiche Kinderseiten, die eine Projektgruppe und die Kinderredaktion "Die Klickers" auf ihre Attraktivität und Handhabung hin getestet haben. Neben einer Klick-Tipp-Empfehlungsliste enthält die Broschüre populär aufbereitete Fachartikel, die über Gefahren für Kinder im Netz und den kompetenten Umgang mit dem Internet informieren und die Themen Online-Werbung, Verbraucherschutz und Filtersoftware aufgreifen. Die Broschüre ist ein Baustein der Initiative "SCHAU HIN! und steht ebenfalls auf der Homepage von jugendschutz.net (www.jugendschutz.net) zum Download bereit.
  • Mit dem Projekt "Rechtsextremismus im Internet" im Rahmen des Aktionsprogramms "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" wurde eine Handreichung erarbeitet, wie an Schulen rechtsextremer Propaganda vorbeugend entgegengetreten werden kann. Die aus dem Projekt entstandene CD mit dem Titel "Rechtsextremismus im Internet - Recherchen, Analysen, pädagogische Modelle zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus" wurde für die pädagogische Praxis im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung erstellt. Sie enthält Hintergrundinformationen zum Thema Rechtsextremismus, ausgesuchte Materialien wie Musikbeispiele und Vorschläge für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen. Die CD wurde auch den rheinland-pfälzischen Schulen zur Verfügung gestellt. Sie kann über die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) gegen eine Bereitstellungspauschale von 4,00 EURO bezogen werden.
  • jugendschutz.net ist Kooperationspartner des Projekts klicksafe.de, das am 11.04.2005 durch das deutschlandweite Portal zur Sicherheit im Internet durch Medienkompetenz startete. Ziel des Projektes ist es, die Öffentlichkeit und ausgewählte Zielgruppen wie Eltern und Kinder für die Chancen und Gefahren des Internets zu sensibilisieren. klicksafe.de wird von einem von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) initiierten Konsortium getragen, dem neben der LMK die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen sowie das Europäische Zentrum für Medienkompetenz GmbH angehören.
  • Mit einer Dokumentation abgeschlossen wurde das Projekt "Medienkompetenz und Jugendschutz - Wie wirken Filme auf die jüngsten Kinogänger und wie beurteilen Kinder die Wirkung von Kinofilmen", das unter Beteiligung des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend durchgeführt wurde. Es handelte sich um ein spannendes und mutiges Medienprojekt, das sich nicht scheute, mit den jüngsten Kinogängern zu arbeiten, um ihnen die Relevanz von Jugendschutz zu vermitteln. Gemeinsame Diskussionen im Anschluss an ausgewählte Filme vermittelten Einblicke in die Wahrnehmungs- und Verarbeitungsfähigkeiten der Kinder und in ihre Lebenswelten. Alle Projektbeteiligten profitierten von den gewonnenen Erfahrungen. Die soziale Einbindung in die stark erlebnisorientierten Veranstaltungen regte zum Nachdenken über die heutige Lebenssituation von Mädchen und Jungen und ihre Bedürfnisse, auch im Sinne des Jugendschutzes, an. Filmarbeit, die Medienkompetenz fördert und für Jugendschutz sensibilisiert, ebnet einen Weg zwischen den Generationen für unmittelbares Kennenlernen und intensiven Austausch. Jugendschutzentscheidungen unterliegen immer dem gesellschaftlichen Wandel. Daher können in solchen Projekten wichtige Orientierungshinweise für die Zukunft gewonnen werden. Die Projektergebnisse wurden in einer Broschüre "Medienkompetenz und Jugendschutz II - Wie wirken Kinofilme auf Kinder" sowie in Form einer DVD veröffentlicht. Sie können bezogen werden bei: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Kreuzberger Ring 56, 65205 Wiesbaden, Frau Kempenich, Tel. 0611-7789135, E-Mail: kempenich(at)spio-fsk.de.

Medienkompetenz und Medienpädagogik

Das Land engagiert sich darüber hinaus auch weiterhin verstärkt im Bereich der Medienkompetenz und Medienpädagogik. So haben die Länder den hieraus resultierenden Herausforderungen im Rahmen des Rundfunkstaatsvertrages Rechnung getragen und den Landesmedienanstalten die Aufgabe zugewiesen, Konzeption, Projekte und Initiativen zur Vermittlung der Medienkompetenz zu erarbeiten. Diese Aufgabe wird in Rheinland-Pfalz in der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) von einer eigenen Abteilung Medienkompetenz wahrgenommen. In Zusammenarbeit mit öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkveranstaltern, wie auch im Rahmen eigener Projekte leistet die LMK wichtige Beiträge, um die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz und gerade auch die jungen Menschen für das Informationszeitalter fit zu machen.

Zur Bündelung der Aktivitäten im Bereich Medienkompetenzen wie auch zur Förderung der Medienkompetenz, wurde in das in 2005 in Kraft getretene Landesmediengesetz die Gründung von Medienkompetenznetzwerken in Rheinland-Pfalz verankert. Medienkompetenznetzwerke sind Kooperationen auf lokaler und regionaler Ebene zur Förderung von Medienkompetenz" (§ 31 Landesmediengesetz). Zur Umsetzung der Maßnahmen haben die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, das Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend sowie die Landesanstalt für Medien und Kommunikation eine Rahmenvereinbarung im Januar 2005 geschlossen, die die Förderung und Weiterentwicklung regionaler Kooperationen in Netzwerken für Medienkompetenzen, den Aufbau und die Bereitstellung von strukturierten Angeboten an "Best-Practice Modellen" und die Bündelung von Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz vorsieht. Neben diesen Maßnahmen wird eine Reihe von wichtigen Medienkompetenz-Projekten insbesondere am Landesmedienzentrum in Koblenz durchgeführt.

  • Das Projekt "CU-TV and net", ein Fernseh- und Internetprojekt des Landesmedienzentrums in Koblenz, wird an 10 Ganztagsschulen im Raum Koblenz angeboten. Jugendspezifische Themen werden aufgegriffen und reflektiert in Fernsehsendungen und Webauftritte umgesetzt. Es fördert durch aktive Medienarbeit die kritische Reflexion jugendlicher Medienrezeption. Bis Mitte 2006 werden etwa 60.000 Euro pro Schuljahr hierfür aufgewendet.
  • Das Projekt "Lesen anders fördern" des Landesmedienzentrums ist ein multimediales Leseprojekt in Ganztagsschulen zur umfassenden Förderung der Medien- und Lesekompetenz. 10 Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz erhielten "virtuelle Wissenszentren" in 2005 und 10 "virtuelle Wissenszentren" werden 2006 mit einem Förderbetrag von jeweils 30.000 Euro pro Wissenszentrum (insgesamt 600.000 Euro) ausgestattet. Weiterhin wurden Schulen mit Zuhörkoffern, Film- und Multimediakoffern ausgestattet. Ein begleitendes Fortbildungsangebot und die Einbindung in die Qualitätsprogramme der Schulen sichert die Nachhaltigkeit der Angebote.
  • Das Projekt "Ohrenspitzer" zielt auf die planvolle, nachhaltige und umfassende Förderung des Hörens und Zuhörens von Kindern als Grundlage von Sprachentwicklung und Kommunikation. Eingesetzt werden dabei insbesondere spannende Hörabenteuer aus einem Hörkoffer, die nicht nur eine Alternative zur visuellen Reizüberflutung bieten, sondern auch auf spielerische und unterhaltsame Weise Sprachkompetenz sowie die Lese-, Sprech- und Konzentrationskompetenz fördern. Das Projekt Ohrenspitzer wird in Kindergärten, -tagesstätten, Schulen und in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt. Es ist ein Projekt der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), die von der LMK, der LFK und dem Südwestrundfunk getragen wird. Die Konzeption und Umsetzung für Schulen in Rheinland-Pfalz liegen in der Verantwortung des Landesmedienzentrums Rheinland-Pfalz.
  • Im Rahmen des Projekts "Modulares Netzwerk für Schulen (MNS+)" wird eine sichere und wartungsarme Lösung für die Computernetze in Schulen entwickelt. Sie sichert und filtert den Zugang zum Internet und erleichtert die Arbeit mit den Neuen Medien in den Schulen. Die Projektlaufzeit von drei Jahren endet in 2007. Das Projekt wird durch das BMBF und die Europäische Union in Höhe von über 3 Millionen Euro gefördert.
  • Im Projekt "OK:school-TV! - Fernsehworkshop für Schüler", einem Projekt der Landesanstalt für Medien und Kommunikation, werden sechsmal im Jahr mit einem Workshop Schülerinnen und Schüler, Offener Kanal, Schule und Fernsehen zusammengebracht. In jeweils dreitägigen Veranstaltungen produzieren 10 bis 15 Schüler ein Fernsehmagazin in einem der rheinland-pfälzischen Offenen Kanäle.

Die Förderung der Medienkompetenz ist auch eine zentrale Aufgabe der Jugendhilfe. Der Erwerb von Medienkompetenz stellt eine Schlüsselqualifikation der modernen Informations- und Wissensgesellschaft dar, die sowohl für die gesellschaftliche als auch für die berufliche Integration unerlässlich ist.

  • Gefördert wird deshalb vom Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend kontinuierlich das Projekt des Landesfilmdienstes Rheinland-Pfalz e. V. Lokal Global, das auch von der Telekom AG, Siemens, Kevag Telekom, Microsoft und ELSA GmbH unterstützt wird. 2004 wurde das Projekt an mehr als 65 Standorten durchgeführt. Mobile Computernetzwerke werden dabei an Einrichtungen der Jugendhilfe verliehen und ermöglichen gruppenorientierte Projekte auf hohem technischem Niveau. Lokal Global bietet drei mobile Internet-Cafés, Seminare, Weiterbildung, sowie Internet-Events an. Das Projekt richtet sich an 13- bis 18-Jährige. Aktuell ist Lokal Global im Rahmen des Wettbewerbs "Wege ins Netz" des Bundeswirtschaftsministeriums mit dem Breitbandsonderpreis und einem Preisgeld in Höhe von 5.000,00 Euro ausgezeichnet worden.
  • Um den Erwerb von Medienkompetenz und die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt durch Kinder und Jugendliche geht es im Projekt "Digitale Medienproduktion in der Jugendarbeit" (DiG.iT) des Landesfilmdienst Rheinland-Pfalz e.V. Bei dieser landesweiten Initiative zur medienpädagogischer Arbeit werden Videofilme hergestellt.
  • Zur Durchführung von Maßnahmen im Medienbereich erhalten darüber hinaus die Jugendverbände in Rheinland-Pfalz über den Landesjugendring eine jährliche Zuwendung in Höhe von 204.500 Euro.