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Einführung

Im Jahr 2005 sind 9 Kinder auf rheinland-pfälzischen Straßen getötet worden (2004 waren es 5 Kinder). Auf dem Schulweg ereigneten sich 2005 100 Verkehrsunfälle mit Kindern; dabei gab es 13 schwerverletzte und 80 leichtverletzte Kinder. Als Vorsichtsmaßnahme vor Unfallgefahren wird der Bewegungsradius der Kinder oft eingeschränkt und bleibt auf das häusliche Umfeld beschränkt, obwohl die Aneignung eines größeren Umfeldes sowie Bewegung die kindliche Entwicklung fördert. Zusätzlich legen Kinder gemeinsam mit den Eltern Alltagswege häufig mit dem Pkw zurück.

Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, misst die Landesregierung der Gestaltung eines attraktiven Wegenetzes, einer kindgerechten Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs, Verkehrssicherheitsmaßnahmen und Maßnahmen der Verkehrserziehung große Bedeutung zu.

Alternative Wegenetze

  • In den Bereichen Verkehr und Straßenbau werden die Sicherheits- und Bewegungsbedürfnisse von Kindern im Straßenverkehr im Rahmen der Straßenplanung von den Straßen- und Verkehrsbehörden des Landes berücksichtigt. Darüber hinaus wird durch die angestrebte Trennung des Radverkehrs vom Kfz-Verkehr mit dem Bau eigener selbstständig geführter Radwege deren Nutzung sicherer und damit insbesondere auch kinderfreundlicher.
  • Im öffentlichen Personennahverkehr dienen die Vorgaben des Landesgesetzes zur Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen - insbesondere durch die Vorschriften zur Barrierefreiheit - der Weiterentwicklung der kinderfreundlichen Gestaltung. Dies trifft beispielsweise zu für die Bemühungen im Schienenpersonennahverkehr, möglichst weitgehend einen niveaugleichen Einstieg in Fahrzeuge des SPNV zu ermöglichen.
  • Die Entwicklung und Gestaltung eines kinderfreundlichen Radwegenetzes in der Eifel ist das Ziel der LEADER+ Aktionsgruppe (LAG) Vulkaneifel in den Verbandsgemeinden Gerolstein und Daun. Konkret geplant ist die Entwicklung und Umsetzung eines Konzepts zur kinderfreundlichen Gestaltung der Attraktionen an Teilbereichen des Maare-Mosel-Radweges und des Kylltal-Radweges. Vorgesehen sind verschiedene Baumaßnahmen (z. B. Ausbau einer Toilettenanlage, Abenteuerspielplatz, Fahrradparcour, Multimedia-Stationen), eine kindgerechte Ausschilderung mit Infotafeln an den touristisch interessanten Attraktionen und Vermarktungsaktivitäten in kindgerechter Gestaltung. Der Projektantrag der LAG mit einem Gesamtinvestitionsvolumen in Höhe von 127.995 Euro wurde aus EU-Mitteln (LEADER+, Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft, Abteilung Ausrichtung) und Landesmitteln in Höhe von 105.591 Euro bewilligt und soll im Zeitraum von 2005 bis 2007 realisiert werden.
  • Der progressive Rückbau von Straßen zur Rückgewinnung der Straße als Spiel- und Aufenthaltsort sowie die Anforderungen an Vernetzung und Sicherheit sowie Aufenthaltsqualitäten für Kinder bei kommunalen Verkehrsplanungen ist als Priorität vielen Vorhaben im Zuge der Spielleitplanung in Rheinland-Pfalz zu entnehmen.
  • Unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wurden und werden vorrangig verkehrssichernde Maßnahmen zur Beseitigung von Hauptunfallgefahren an stark von Kindern und Jugendlichen genutzten Orten und Wegen durchgeführt, so z.B. Bürgersteige (aus)gebaut, Querungshilfen zur Sicherung von Schulwegen eingerichtet und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen an Ortseinfahrten durchgeführt. Die (Rück-)Gewinnung von Straßen und Wegen als Spiel- und Aufenthaltsorte erfolgt z. B. über Projekte und Vorhaben im Rahmen von Erschließungen von Neubaugebieten sowie bei Sanierungen oder Umbau von Plätzen, Straßen und Wegen.

Verkehrserziehung und Verkehrssicherheitsarbeit

  • In den dritten und vierten Klassen der Grundschulen und Förderschulen erhalten alle Kinder eine intensive Radfahrausbildung. 111 polizeiliche Verkehrssicherheitsberater der rheinland-pfälzischen Jugendverkehrsschulen kommen dazu in die Schulen. Zunehmend ist auch das Üben im Realverkehr ein Bestandteil der Ausbildung.
    Unterrichtlich vor- und nachbereitet werden die Radfahrübungen durch die Lehrerinnen und Lehrer. Eine neue Handreichung zur schulischen Radfahrausbildung wird voraussichtlich im Frühjahr 2006 veröffentlicht werden.
  • Die im November 2002 in Kaiserslautern wegen eines Anstiegs der Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung (entgegen dem Landestrend) gegründete Kinderunfallkommission hat ihre erfolgreiche Arbeit fortgesetzt. Die Vernetzung der Verkehrssicherheitsarbeit auf örtlicher Ebene ist ein Mittel zur Reduzierung der Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung und zur Beseitigung unfallbegünstigender Faktoren. Bei Ortsbesichtigungen z.B. im Schulumfeld oder in der Nähe von Freizeiteinrichtungen sind unter dem Motto "Kinder sehen es anders" jetzt regelmäßig auch Kinder beteiligt.
    Im März 2004 wurden konkrete Ziele formuliert, die dazu führen sollen, dass Kaiserslautern für Kinder zur sichersten Großstadt in Rheinland-Pfalz wird. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgt durch die Universität Kaiserslautern, so dass die Erfahrungen auch den anderen rheinland-pfälzischen Städten als Modellprojekt zur Verfügung stehen werden.
  • Schulwegsicherung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der Polizei, Verwaltung, Politik, Schulen und Eltern eng zusammenarbeiten müssen. Die Eltern erfüllen dabei eine wichtige Erziehungs- und Vorbildfunktion. In der Schule übernehmen Lehrerinnen und Lehrer die Verkehrserziehung integriert in alle Fächer. Zur Fußgängerausbildung und Schulwegsicherung sind im ersten und zweiten Schuljahr insgesamt 26 Unterrichtsstunden vorgeschrieben. Neben dem Schulwegtraining für Eltern und Kinder durch die Polizei bietet diese auch Aufführungen der Polizeipuppenbühne für eine spielerische Wissensvermittlung an.
  • Mit Hilfe von Broschüren wurden im Jahr 2005 allen Schulen der Primarstufe Hinweise zur Schulwegplanung und zur Erarbeitung von Schulwegplänen gegeben.
  • An vielen Schulen helfen Eltern- oder Schülerlotsen den Jüngsten an Gefahrenpunkten. Seit vier Jahren werden durch einen Schülerlotsenwettbewerb die besten Schülerlotsen ermittelt und geehrt. Der Landessieger vertritt Rheinland-Pfalz beim Bundeswettbewerb.
  • Viele Kinder sind bei ihren Schul- und Freizeitwegen auf die Fahrt mit dem Bus angewiesen. Verglichen mit anderen Verkehrsmitteln, ist der Bus zweifellos eines der sichersten Schülerbeförderungsmittel. Aber nach wie vor verunglücken in der Bundesrepublik jährlich über 8.000 Kinder beim Busfahren. Die meisten Kinder benutzen die öffentlichen Verkehrsmittel ungeschult, obwohl das Fahren mit dem Bus Gefahren mit sich bringt.
    Im Juli 2004 startete ein neues landesweites Projekt zur Vermeidung von Unfällen mit Schulbussen. Auf Initiative der Unfallkasse Rheinland-Pfalz werden jährlich in einem für die Schulen kostenlosen Angebot etwa 40 Veranstaltungen mit Viert- und Fünftklässlern durchgeführt. Die Nachfrage ist sehr groß.
    Eine Vielzahl der Unfälle im Zusammenhang mit dem Bus ereignet sich beim Warten an der Haltestelle, beim Überqueren der Fahrbahn, beim Ein- und Aussteigen sowie durch Streitereien. Das Projekt besteht aus einer theoretischen Vorbereitung, einer praktischen Unterweisung im und am Bus sowie einer Nachbereitung. Geübt wird im Klassenzimmer und im Bus. Soziales Miteinander wird gefördert und potentiellem Vandalismus wird vorgebeugt. Die Kinder lernen, selbstständig, sicher und ohne Angst Bus zu fahren.
    In diesem Zusammenhang sollen die vorhandenen und neu einzurichtenden Schulbusbegleitdienste in Zukunft verstärkt in den Bereichen Deeskalation und Streitschlichtung geschult werden.
  • In Rheinland-Pfalz werden die Materialien, Gerätschaften und Verkehrsübungsplätze zur Verkehrserziehung permanent auf aktuellem Niveau gehalten. Es wird fortlaufend in eine moderne Ausstattung für die Verkehrserzieherinnen und -erzieher investiert. 2004 und 2005 wurden beispielsweise mit dem Rollenden Klassenzimmer - einem von Kindern gestalteter Omnibus mit Puppentheater, Filmen und Vorträgen - in ländlichen Gebieten Beiträge zur Verkehrserziehung geleistet. Ebenso gefördert wird auch der Verkehrszauberer, der in den Grundschulen im Land täglich mehrere Vorstellungen durchführt, bei denen Kinder auf unterhaltsame Weise Verkehrsregeln erlernen.