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Einführung

Neben Familie und Freundeskreis und nach dem Kindergarten ist die Schule die wichtigste Sozialisationsinstanz im Leben von Kindern. Wie sehr es ihr gelingt, das einzelne Kind in seiner Gesamtpersönlichkeit wahr- und anzunehmen sowie seine Fähigkeiten zu fördern, ist mit ausschlaggebend für die Bildungsbiografie sowie die Gegenwart und Zukunft des Kindes. 

Rahmenbedingungen ganzheitlichen Lernens

  • Um individuelle Lernwege und -fortschritte für Kinder in der Grundschule zu ermöglichen, werden in Rheinland-Pfalz anstelle der alten Lehrpläne mit ihren engen Vorgaben Rahmenpläne eingeführt. Diese lassen den Schulen Raum für schuleigene Arbeitspläne, die dem gesetzlichen Auftrag zur individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler entsprechen.
  • Mit dem Ganztagsschulangebot, das - ausgehend von der Zielsetzung des Ausbaus in 2001 - inzwischen 362 zusätzliche Schulen umfasst, hat sich eine Schulform in Rheinland-Pfalz etabliert, die das ganzheitliche Lernen zu einer pädagogischen Vorgabe macht. In einem ganzheitlichen Konzept sollen Unterricht und Erziehung, Spielen und Lernen, Arbeits-, Spiel- und Erholungsphasen aufeinander bezogen werden. Auch die Kinder selbst erhalten größere Handlungsspielräume für eigenverantwortliches und selbst gesteuertes Lernen.
    Rhythmisierung kann Raum bieten, um neue Formen bzw. Methoden des Lernens (z.B.: Thementage oder -wochen, Projekttage oder -wochen, Werkstatttage oder -wochen sowie Selbsterfahrungstage) zu organisieren oder Inhalte für selbst organisiertes Lernen aufzubereiten.
  • Auf die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur und erweiterte Möglichkeiten zur demografischen Teilhabe von Schülerinnen und Schülern in und außerhalb der Schule geht es im Modellversuch "Demokratie lernen & leben", an dem Rheinland-Pfalz sich inzwischen mit 15 Schulen verschiedener Schularten und Schulstufen beteiligt. Neu ist die Ausweitung des Projektes durch die Ausbildung von acht Beraterinnen und Beratern für Demokratiepädagogik in Rheinland-Pfalz. Für die Teilnahme an diesem Bund-Länder-Programm stellt die Landesregierung bis 2007 insgesamt 438.194 Euro zur Verfügung. In Net-Part.Schule (www.net-part.schule.rlp.de) können sich alle Schulen über die Ziele und den Stand des bundes- und landesweiten Projekts "Demokratie lernen und leben" informieren und eine Fülle von Literatur- und Materialhinweisen, Links und Übersichten zu weiteren Demokratieprogrammen abrufen.
  • Um die Beteiligung von Schülerinnen und Schüler sowie die Gestaltung eines bedarfsgerechten und kind- bzw. jugendgerechten Umfelds geht es bei der Umsetzung eines Modellvorhabens zum Schulbau. Gemeinsam mit dem für Bau zuständigen Finanzministerium, der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und der Wüstenrot-Stiftung wurde im Jahr 2005 ein Schulbauwettbewerb unter dem Titel "Schule bauen - Bauen schult!" ausgeschrieben. Ein besonderer Schwerpunkt des Programms liegt in der Partizipation der späteren Nutzerinnen und Nutzer bereits in der Planungsphase. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte werden bereits im Vorfeld der Formulierung der Wettbewerbsaufgabe in die Konzepterarbeitung intensiv einbezogen. Für jedes einzelne Schulbauprojekt werden vorgeschaltete Workshops in Form von Zukunftswerkstätten und ggf. weitere Workshops in der Planungs- und Realisierungsphase durchgeführt. Ziel sind Bauwerke, in denen sich alle Beteiligten wohl fühlen. Für die Schülerinnen und Schüler bietet sich durch die Begleitung des Bauprozesses zudem eine Möglichkeit des projekt- und erfahrungsorientierten Lernens.  

Kooperation mit außerschulischen Partnern

Die Kooperation mit außerschulischen Partnern ist ein zentraler Baustein des Konzeptes von Ganztagsschule in Angebotsform; eines Konzepts, das vorsieht, die Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen in Schule aufzunehmen, damit Schule im ganzheitlichen Sinn als Lern- und Lebensraum wirken kann. Immer mehr wird die Kooperation mit außerschulischen Partnern aber auch zum konzeptionellen Bestandteil von Schule allgemein.

  • Zu einem positiven Schulklima, das für Kinder und Jugendliche als Lernvoraussetzung wichtig ist, trägt auch die Schulsozialarbeit bei. Die bisherigen Erfahrungen mit Schulsozialarbeit an Hauptschulen in Rheinland-Pfalz haben gezeigt, dass das Modell der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule sich eindeutig in diesem Sinne bewährt hat. Es unterstützt Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Einzelfallhilfe in persönlichen Krisenzeiten und ermöglicht es, durch eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrkräften den Aspekt des sozialen Lernens in der Schule zu verstärken.
    In den Jahren 2004 und 2005 wurden an insgesamt 22 Schulstandorten neue Projektstellen "Schulsozialarbeit an Hauptschulen in Rheinland-Pfalz" eingerichtet. Bis spätestens zum Beginn des Schuljahres 2006/2007 ist der Start an weiteren 6 Standorten bereits jetzt eingeplant. Somit wird ein Ausbaustand erreicht, mit dem an insgesamt 70 Standorten landesgeförderte Schulsozialarbeit an Hauptschulen angeboten wird. Zusätzlich konnte im Jahr 2005 an allen 48 Standorten der Berufsbildenden Schulen mit Berufsvorbereitungsjahr Schulsozialarbeit angeboten werden. Hinzukommen sollen 2006 die Schulsozialarbeit an weiteren sechs Standorten mit der Schulform Berufsfachschule I.
  • Das Land Rheinland-Pfalz fördert außerdem das Pilotprojekt "Schulverweigerung - Mobile Jugendsozialarbeit" mit schulverdrossenen und schulverweigernden Schülerinnen und Schülern. An Haupt- und Sonderschulen in Kaiserslautern, Kirchheimbolanden und Trier wird hierbei das wesentliche Ziel verfolgt, Schülerinnen und Schüler Schlüsselqualifikationen für den Einstieg in die Arbeitswelt zu vermitteln. Das Projekt konzentriert sich hierbei auf Jugendliche, die das 8. Schuljahr besuchen. Schulverdrossenen, schulmüden und in deren Folge schulverweigernden Schülerinnen und Schülern sollen hierbei Basiskompetenzen im Hinblick auf die Berufs- und Arbeitswelt vermittelt und somit einen Beitrag zum Ausbau tragfähiger persönlicher Zukunftsperspektiven geleistet werden. Die (Wieder-)Eingliederung in das Bildungssystem und das Heranführen in das Beschäftigungssystem ist zentraler Projektbestandteil. Jeder Projektstandort wird hierbei mit 17.000 Euro/Jahr aus Landesjugendplanmitteln unterstützt.
  • Auch bei der beruflichen Orientierung und der Vermittlung von wirtschaftlichem Alltagswissen, das die Jugendlichen befähigt, sich als mündige Bürger aktiv in unserer Gesellschaft zu beteiligen und in die Arbeitswelt einzusteigen, ist eine Kooperation mit außerschulischen Partnern unerlässlich. Vor diesem Hintergrund unterstützt das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau im Rahmen seiner Initiative "Jugendliche Unternehmen Wirtschaft (JUW)" unterschiedliche Projekte an der Schnittstelle von Schule und Wirtschaft und legt dabei gerade auf die Einbeziehung von externen Partnern aus der Wirtschaft großen Wert. Ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit stellt der B.O.S.S. Aktionstag dar, der jährlich im Herbst durchgeführt wird.
  • Ein weiteres, bereits seit 2002 durch Landesjugendplanmittel gefördertes Schulverweigererprojekt wird in der Stadt und im Landkreis Bad Kreuznach durch den Internationalen Bund getragen. Dieses Projekt verfolgt das Ziel der Entwicklung individueller bzw. alternativer Lösungsstrategien zur Überwindung der Schulverweigerung/Absentismus. Bereits Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse, die Anzeichen von Schulmüdigkeit zeigen, werden innerschulisch beraten und begleitet.

Mit Kinderuni, Schnupper- und Ferienkursen, mit Schülerlaboren und verschiedenen Möglichkeiten des Frühstudiums sollen die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Altersgruppen und unterschiedliche Interessen abgedeckt werden. Ausgebaut werden somit Angebote, die frühzeitig auf die Besonderheiten und Anforderungen im nächsten Bildungsabschnitt vorbereiten. Kinder und Jugendliche können die Schnittstelle als fließenden Übergang erleben. Das Land unterstützt dies mit rund 2,3 Millionen Euro. Beispielhaft sind folgende Maßnahmen zu nennen:

  • Rheinland-Pfalz hat die Kinderuni als erstes Bundesland landesweit und flächendeckend angeboten, wobei jede Hochschule ein eigenes Profil entwickelt hat. Mehr als 21.000 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren besuchten allein 2004 insgesamt rund 160 Veranstaltungen. Mit spannenden anschaulichen Präsentationen ist es gelungen auf kindgerechte Weise mit Mädchen und Jungen dieser Altersklasse sehr komplexe wissenschaftliche Fragen aufzugreifen. Auch 2005 waren die Veranstaltungen größtenteils ausgebucht.
  • Schnupperkurse für Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen haben in 2005 zum ersten Mal stattgefunden und nahezu alle Fachhochschulen und Universitäten haben Angebote gemacht. Für vielfältige Themen (Chemie für die Unterstufe, Workshops zum Videoschneiden, Geschichte, alternative Energien, Geographie, Informatik für Oberstufenschülerinnen) sind Anmeldungen an den jeweiligen Hochschulen direkt möglich gewesen.
  • Anspruchvollste Varianten im Rahmen des Gesamtpakets sind die Angebote für ein Frühstudium für besonders begabte junge Leute, mit dem diese ihre reguläre Hochschulausbildung verkürzen können. Die Novelle des rheinland-pfälzischen Hochschulgesetzes von 2003 eröffnet die Möglichkeit, sich neben der Schule als Frühstudierender einzuschreiben, sofern die betreffende Schule, wie auch die Hochschule die Schülerinnen und Schüler dafür für geeignet hält. Frühstudierende nehmen an Lehrveranstaltungen und Prüfungen teil. Das Hochschulgesetz ermöglicht Schülerinnen und Schüler bei einem Frühstudium zusätzlich eine Anerkennung ihrer Leistungen bei einem nachfolgend in diesem Fach aufgenommenen Hochschulstudium. Dank einer Vereinbarung zwischen Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz ist es gelungen, dieses Anliegen nicht nur länderübergreifend weiter voran zu bringen, sondern ist auch eine solche Anerkennung der Leistungen im Frühstudium bundesweit sichergestellt worden.

Ergänzt werden diese Bausteine durch mädchenspezifische Angebote.

  • Zur Unterstützung von Schulen und Unternehmen bzw. Organisationen bei der Durchführung von Mädchen-Zukunftstagen wurde im Mai 2005 für Rheinland-Pfalz die Landeskoordinierungsstelle Girls' Day beim Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend eingerichtet. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Aktivitäten im Lande rund um den bundesweit stattfindenden Girls' Day zu optimieren und den Mädchen-Zukunftstag stärker in den strukturschwachen Regionen zu verankern (www.girls-day.rlp.de).
    Berufsinformation und -orientierung gewinnen einen immer wichtigeren Stellenwert innerhalb des Bildungsauftrags der Schulen. Da Mädchen und junge Frauen sich bis heute überproportional häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder und Studienfächer entscheiden und damit oft ihre Begabungen und Berufsmöglichkeiten nicht voll ausschöpfen, ist die Erweiterung des Berufswahlspektrums der Mädchen dabei eine besondere Aufgabe. Durch die Angebote des Girls' Day können nicht nur Mädchen, sondern auch Schulen neue Kontakte zu Betrieben und Institutionen knüpfen und vertiefen, was für die Suche nach geeigneten Plätzen für schulische Berufspraktika sehr hilfreich sein kann.
    2005 konnten 5.259 Schülerinnen bei 334 Aktionen einen lebendigen Einblick in Ausbildungsstätten und Unternehmen mit dem Schwerpunkt Technik erhalten, um ihnen neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.
  • Im Rahmen des von Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit, Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend und Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur geförderten Ada-Lovelace Projekts informieren und beraten Studentinnen aus technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen und Mädchen in technischen Ausbildungsberufen Schülerinnen an Schulen über ihre Studienfächer und Berufe, um so das Interesse der Schülerinnen auf Berufsbilder der Zukunft zu lenken und ihnen Mut zu machen, neue frauenuntypische Berufe zu wählen. Inzwischen konnten mit dem bundesweit einmaligen Mentorinnennetzwerk ca. 20.000 Schülerinnen von Mentorinnen angesprochen werden (www.ada-lovelace.com).